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Kuitert, Harry M. (1924- )

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Mit den Grunderfahrungen (s.o.) nimmt er einen Bezug zu Ebeling, aber Ebeling nimmt diese Erfahrungen als Ausgangspunkt des
Rechtfertigungsgeschehens. Auch eine Verbindung zu Pannenbergs Anthropologie, die die Weltoffenheit des Menschen sieht, kann
gesehen werden. Eine sehr deutliche Verbindung besteht zur liberalen Theologie und damit Schleiermacher.

Kuitert nimmt eine Mittelposition zwischen Religionsphilosophie und Theologie ein. Er ist ein Angefochtener und kann die
Religionskritik durch Feuerbach und Marx verstehen, aber er will ihnen nicht antworten. Vielmehr wuerden sie ein grundlegendes
Element des Menschseins, die Religion, nicht erkennen. Es besteht keine Beziehung Kuiterts zu Nietzsche.

Kritik an Kuitert: Kuitert ist schwierig zu lesen. Mal ist er Religionswissenschaftler, und dann ist alles relativ, mal ist er ganz in seiner
Tradition. Aber wann redet er als Wissenschaftler und wann als Glaubender? Es gibt keine saubere Trennung. Es ist haeufig unklar,
was er wann als was spricht. Am besten liest man Kuitert so, wie man Schleiermachers0 "Ueber die Religion ..." liest. Interessant ist:
Wenn man ihn liest, beeinflusst er einen so, dass man es nicht merkt. Er kann jeden Standpunkt vertreten, den er will, und das kann
er gut. Er schreibt mitreissend.

Man muss sich fragen, ob Kuitert nicht Zeitgeistformulierungen bringt. Zudem blendet er die Frage "Wer oder was ist Gott?" aus.
Allerdings wurde sein Buch "Ich habe meine Zweifel. Eine kritische Auslegung des christlichen Glaubens" (Guetersloh 1993) von
Pfarrern und Studierenden begeistert aufgenommen. Vielleicht ist es die Frage einer Generation (nach dem Krieg?) nach einer
antiautoritaeren Theologie - solche Zuege finden sich in Kuiterts Ansatz -, die das Buch in den Niederlanden so populaer machte.
Eine ganze Genaration fuehlt sich jedenfalls befreit. Das Problem mit der autoritaeren Theologie haben vor allem aeltere Pfarrer und
Leute, die den Krieg noch miterlebt haben.

Es ist nicht noetig die christliche Position zu verlassen, wie es Kuitert macht, um andere Religionen zu schaetzen.

Der Glauben an sich ist fuer Kuitert eine private Sache. Letzendlich wird er so zu einer Art Mystiker. Alles, was sich von der
Grunderfahrung entfernt, ist ihm zu spekulativ. Der religioese Entwurf kann positiv als gegenueber zu Gott gesehen werden.

Leider ist Kuitert in Deutschland kaum bekannt. Nur sein Suizid-Buch, in dem er sehr liberal argumentiert (im Gegensatz z. B. zu
Bonhoeffer), ist bekannt.

Das oben genannte Buch

Harry M. Kuitert: Ich habe meine Zweifel. Eine kritische Auslegung des christlichens Glaubens, Guetersloh 1993

ist leider in Deutschland vergriffen. Eine Neuauflage ist bedauerlicherweise nicht vorgesehen. Wer trotzdem die Gelegenheit hat in
dem Buch zu lesen, dem seien die Kapitel IV und VII zu empfehlen. Sie stellen die Position Kuiterts recht gut dar.
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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