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Wir empfehlen: | |||||||||||||
Mit den Grunderfahrungen (s.o.) nimmt er einen Bezug zu Ebeling, aber
Ebeling nimmt diese Erfahrungen als Ausgangspunkt des
Rechtfertigungsgeschehens. Auch eine Verbindung zu Pannenbergs
Anthropologie, die die Weltoffenheit des Menschen sieht, kann
gesehen werden. Eine sehr deutliche Verbindung besteht zur liberalen
Theologie und damit Schleiermacher.
Kuitert nimmt eine Mittelposition zwischen Religionsphilosophie und
Theologie ein. Er ist ein Angefochtener und kann die
Religionskritik durch Feuerbach und Marx verstehen, aber er will ihnen
nicht antworten. Vielmehr wuerden sie ein grundlegendes
Element des Menschseins, die Religion, nicht erkennen. Es besteht keine
Beziehung Kuiterts zu Nietzsche.
Kritik an Kuitert: Kuitert ist schwierig zu lesen. Mal ist er
Religionswissenschaftler, und dann ist alles relativ, mal ist er ganz in
seiner
Tradition. Aber wann redet er als Wissenschaftler und wann als Glaubender?
Es gibt keine saubere Trennung. Es ist haeufig unklar,
was er wann als was spricht. Am besten liest man Kuitert so, wie man
Schleiermachers0 "Ueber die Religion ..." liest. Interessant ist:
Wenn man ihn liest, beeinflusst er einen so, dass man es nicht merkt. Er
kann jeden Standpunkt vertreten, den er will, und das kann
er gut. Er schreibt mitreissend.
Man muss sich fragen, ob Kuitert nicht Zeitgeistformulierungen bringt.
Zudem blendet er die Frage "Wer oder was ist Gott?" aus.
Allerdings wurde sein Buch "Ich habe meine Zweifel. Eine kritische
Auslegung des christlichen Glaubens" (Guetersloh 1993) von
Pfarrern und Studierenden begeistert aufgenommen. Vielleicht ist es die
Frage einer Generation (nach dem Krieg?) nach einer
antiautoritaeren Theologie - solche Zuege finden sich in Kuiterts Ansatz -,
die das Buch in den Niederlanden so populaer machte.
Eine ganze Genaration fuehlt sich jedenfalls befreit. Das Problem mit der
autoritaeren Theologie haben vor allem aeltere Pfarrer und
Leute, die den Krieg noch miterlebt haben.
Es ist nicht noetig die christliche Position zu verlassen, wie es Kuitert
macht, um andere Religionen zu schaetzen.
Der Glauben an sich ist fuer Kuitert eine private Sache. Letzendlich wird
er so zu einer Art Mystiker. Alles, was sich von der
Grunderfahrung entfernt, ist ihm zu spekulativ. Der religioese Entwurf kann
positiv als gegenueber zu Gott gesehen werden.
Leider ist Kuitert in Deutschland kaum bekannt. Nur sein Suizid-Buch, in
dem er sehr liberal argumentiert (im Gegensatz z. B. zu
Bonhoeffer), ist bekannt.
Das oben genannte Buch
Harry M. Kuitert: Ich habe meine Zweifel. Eine kritische Auslegung des
christlichens Glaubens, Guetersloh 1993
ist leider in Deutschland vergriffen. Eine Neuauflage ist
bedauerlicherweise nicht vorgesehen. Wer trotzdem die Gelegenheit hat
in
dem Buch zu lesen, dem seien die Kapitel IV und VII zu empfehlen. Sie
stellen die Position Kuiterts recht gut dar.
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